Warum stiften Stifter? Eine Studie gibt Antwort

Stiften Sie aus Verantwortungsbewusstsein, Mitgefühl oder um höheres gesellschaftliches Ansehen zu erlangen? Die Studie „Stifterinnen und Stifter in Deutschland. Engagement – Motive – Ansichten“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zeigt, wer Stifter sind, aus welchen Motiven heraus sie handeln und wagt Prognosen für die Zukunft.

Von Nina Leseberg

Vor zehn Jahren erschien von der Bertelsmann Stiftung in Deutschland die erste umfassende Studie zum Thema Stiften. Seitdem sind knapp 40 Prozent aller rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts überhaupt erst gegründet worden. Gut zwei Drittel haben Privatpersonen gestiftet. Die nun erschienene Studie „Stifterinnen und Stifter in Deutschland. Engagement – Motive – Ansichten“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen füllt diese Lücke. An der schriftlichen Umfrage beteiligten sich rund 700 Stiftende, die seit 2004 allein oder zu zweit eine Stiftung mit mindestens 50.000 Euro Vermögen errichtet haben. Zudem wurden persönliche Interviews mit Stiftenden geführt und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage gemacht.

Idealistische Werte

Mit knapp 90 Prozent stiften beinahe alle Befragten aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus. Die persönlichen Interviews zeigen, dass es dabei besonders um den verantwortlichen Umgang mit ihrem Vermögen geht. Das bestätigt auch die schriftliche Befragung: Hedonistisch-materialistische Werte wie „einen hohen Lebensstandard haben“, „die eigenen Bedürfnisse durchsetzen“ oder „das Leben in vollen Zügen genießen“ werden seltener geteilt als vom Bevölkerungsdurchschnitt. Dafür teilen sie besonders häufig idealistische Werte, wie sozial Benachteiligten zu helfen oder sich politisch zu engagieren.

Mehrere Gründe ausschlaggebend

Ebenfalls sehr viele Stiftende (rund 75 Prozent) möchten mit der Stiftungsgründung etwas bewegen. Oft verfolgen sie sehr konkrete gemeinnützige Ziele. Knapp die Hälfte stiftet aus Mitgefühl. Selbstbezogene Motive spielen eine untergeordnete Rolle. Die Aussage „Ich wollte meinen gesellschaftlichen Einfluss erhöhen“ wurde nur von 6,8 Prozent als zutreffend bewertet, „ich wollte ein höheres gesellschaftliches Ansehen erlangen“ sogar nur von 2,8 Prozent. Diese Stifter geben zudem stets auch gemeinwohlorientierte Motive an. Es gibt eben in der Regel nicht den einen Grund für die Stiftungsgründung.

Stets spielen eine Reihe von Motiven und natürlich auch die persönlichen Möglichkeiten eine Rolle: Die Stifter sind größtenteils vermögend, haben einen sehr hohen Bildungsgrad und befinden sich kurz vor der oder in der sogenannten dritten Lebensphase. Rund 80 Prozent haben das gestiftete Vermögen zumindest teilweise selbst erwirtschaftet. Gut die Hälfte hat Geld aus selbstständiger unternehmerischer Tätigkeit eingebracht. Erben stiften dagegen vergleichsweise selten.

Stifter wollen selbst entscheiden

Für die Rechtsform einer Stiftung haben sich 95 Prozent der Befragten entschieden, weil das gestiftete Vermögen gemeinnützigen Zwecken dauerhaft zugutekommt. Sie möchten oft auch etwas schaffen, das über ihr eigenes Leben hinausreicht. Die Verbrauchsstiftung finden daher nur wenige Befragte interessant. Gut 80 Prozent von ihnen engagieren sich mit einer Stiftung, weil sie selbst entscheiden wollen, wie ihr Geld verwendet wird. Das gilt auch für die Stifter von Treuhandstiftungen, die erstmals in größerem Umfang befragt wurden. Die Rechtsform der Treuhandstiftung wählen sie, weil sie damit von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und der Treuhänder fachliche Expertise einbringt.

Zustiftungen geplant

Insgesamt unterscheiden sich die Treuhandstifter kaum von denen rechtsfähiger Stiftungen bürgerlichen Rechts. Sie engagieren sich auch genauso häufig wie alle anderen Stiftenden persönlich in ihrer Stiftung (zu 95 Prozent). Dabei ist es den Stiftenden wichtig, Einfluss auf die Stiftung nehmen zu können. 93 Prozent aller Befragten sind entweder Mitglied in einem Gremium oder in der Geschäftsführung ihrer Stiftung.

Auch das finanzielle Engagement der Stiftenden endet meist nicht mit der Gründung der Stiftung. Viele spenden ihrer Stiftung regelmäßig, aber vor allem wollen etwa 70 Prozent der Befragten noch zustiften. 80 Prozent davon werden das Stiftungsvermögen mindestens verdoppeln. Die häufig geäußerte Sorge, es gebe zu viele sehr kleine Stiftungen, die später nicht handlungsfähig sein werden, bestätigen die Studienergebnisse so nicht.

Gute Zukunftsprognosen

Die meisten Stiftungen verfügen zwar über ein geringes Stiftungskapital, es ist aber nur ein Drittel der Stiftungen von Privatpersonen auf Zuwendungen angewiesen. Diese stammen meist vom Stifter selbst – nur knapp sechs Prozent der Befragten brauchen ausschließlich die Zuwendungen Dritter. Dementsprechend blicken 94 Prozent der Befragten positiv in die Zukunft ihrer Stiftung und auch mit den bisherigen Ergebnissen der Stiftungsarbeit sind fast alle zufrieden. Darüber hinaus ist es angesichts steigender Privatvermögen und sinkender Geburtenraten sehr wahrscheinlich, dass der Trend zum Stiften anhält und sich möglicherweise sogar noch verstärkt.     

www.stiftungen.org

Fotos: Minerva Studio/Quelle: Adobe Stock, Tim Kronenberg

Nina Leseberg ist Projektleiterin und Autorin der Studie "Stifterinnen und Stifter in Deutschland". Die Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkt bürgerschaftliches Engagement und Non-Profit-Management arbeitet seit 2007 beim Bundesverband Deutscher Stiftungen.

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